Handschrift - Schreibschrift
Handschrift - Schreibschrift

Handschrift verbessern - aber wie?

Schreiben ist unter anderem auch ein rein motorischer Prozess, eine komplexe Bewegung, und lässt sich deshalb trainieren wie andere "Fingerfertigkeiten" auch. Dadurch aber, dass die Kinder quasi von Anfang an Texte schreiben, liegt das Augenmerk fast ausschließlich auf dem Inhalt. Viele Kinder haben noch nie Gelegenheit gehabt, sich ganz auf ihre Schrift zu konzentrieren. Der Schrifterwerb ist dann oft eher schlecht als recht "mitgelaufen". Manche Linienführungen sind von Anfang an "selbst erarbeitet" und falsch automatisiert.

 

Eine gute Handschrift ist keine Frage der Intelligenz, sondern der richtigen Übung. So gibt es beispielsweise Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen, die eine gut lesbare, zügige Handschfrift haben, obwohl sie kaum lesen können, und andererseits Gymnasiasten, die sehr gut formulieren und Texte verfassen können, diese aber nicht in einer lesbaren Schrift zu Papier bringen können.

 

Ist die Schrift von Anfang an deformiert oder später entgleist, präsentiert sie sich oft wie ein einziges Chaos. Die Aufforderung, lesbarer zu schreiben, führt ins Leere und nur zu Frustration, denn das Kind weiß ja gar nicht, was denn genau falsch ist an seiner Schrift (und die Erwachsenen meistens auch nicht). Um eine Schrift zu korrigieren muss man jedoch wissen, wie und warum die jeweilige individuelle Handschrift so geworden ist. Dieser Frage bin ich am Beispiel von mehreren Hundert Schriften nachgegangen.

Schrift eines Fünftklässlers zu Beginn und zum Ende des Schuljahres. Erfolge gezielter Koordinationsübungen und Buchstabenverbesserungen sind erkennbar.

Ein Schrifttraining bietet die Möglichkeit, Einzeldefizite zu erkennen und Schritt für Schritt zu korrigieren. Ganz wichtig ist, dass das Kind sich jeweils nur auf einen Buchstaben oder eine Verbindung konzentriert, denn es ist nicht leicht, in automatisierte motorische Prozesse einzugreifen. Die Korrektur der Schrift bedeutet ein Umlernen - was wesentlich mehr Energie erfordert als ein "Neu-Lernen". Auch aus diesem Grunde kann die Bedeutung der korrekten Schreibweise von Anfang an gar nicht genug betont werden.

 

Im Folgenden finden Sie eine Anleitung zum Schrifttraining, eine Zusammenfassung meines Vortrages beim BLLV in München vom 20.04.13

(Zum besseren Verständnis empfiehlt es sich, vorher den Beitrag "Lupe auf die VA" zu lesen.)

Anleitung zum Schrifttraining
Entgleiste VA-Handschriften flott machen[...]
PDF-Dokument [532.7 KB]

Aktuelles

"In Finnland werden Lehrer von der Pflicht entbunden, den Schülern die Schreibschrift beizubringen. In Deutschland ist das längst Realität."

Untertitel in der WELT vom 15.01.15

Aktuelle Erhebung zum Verschwinden der Schreibschrift

Vertreter der Grundschrift propagieren das sogenannte selbsttätige und eigenverant-wortliche Erarbeiten der Handschrift:

"Die Gegner der Grundschrift haben massive Zweifel an dieser Theorie. Sie beurteilen die Fähigkeit oder auch nur das Interesse der Sieben-jährigen, irgendwelche Einzelbuch-staben eigenverantwortlich zu flüssiger Schrift zu verbinden, mit Skepsis: Übt man denn, wenn man nicht muss? Wie genau hat man sich die "Schreibgespräche" und die "ästhetischen Experimente" der Zweitklässler vorzustellen? Überfordert man nicht die Schüler unter dem attraktiven Etikett der "Eigenständigkeit" – jedenfalls all die Kinder, deren Eltern nicht zu Hause mit ihnen arbeiten?" Susanne Gaschke in der WamS vom 15.02.15

Hier ein Einblick in die konkreten Probleme , die von Zweitklässlern zu bewältigen sind:

Die Grundschrift -

Formen und Verbindungsmöglichkeiten

„Kein Handlungsbedarf“

Trotz zunehmender Eltern- und Lehrerklagen über krakelige Handschriften vieler Schüler sieht Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann keinen Handlungsbedarf. Die Landesregierung plane nicht, solche Kompetenzen am Ende der 4. Klasse zu überprüfen, berichtet der Westfälische Anzeiger vom 30.03.16

Viele interessante Beiträge zur aktuellen Debatte um die Schrift-didaktik finden sich auf der Homepage der Allianz für die Handschrift.

Am 03.04.17 erschien eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen in Buchform im

Piper-Verlag:

Wer nicht schreibt,

bleibt dumm.

Warum unsere Kinder

ohne Handschrift das

Denken verlernen.

Eine Inhaltsbeschreibung und einen Blick ins Buch finden Sie auf der Website des Verlags.

Hier der Link >

Eine ganzseitige, handschriftlich verfasste Rezension des Buchs erschien am 02.06.17 in der  FAZ 

Von der Hand in den Kopf

" Die Kombination aus Praxis, Forschung und Reflexion gibt dieser Bestandsaufnahme ein besonderes Gewicht in einem umstrittenen Feld, das weniger durch Empirie als durch Wunschdenken bestimmt wird."  Der Autor Wolfgang Krischke bezeichnet das Buch als engagiertes Plädoyer für eine "didaktische Sanierung" der Handschrift und empfiehlt es als "lohnende Lektüre für Eltern, Lehrer und Bildungspolitiker". 

 

Eine weitere umfangreiche Rezension findet sich im Rezensionsforum Literaturkritik.de.

Der Autor Johannes Groschupf hat sie in leicht  gekürzter Form auch als Kommentar zum Buch bei Amazon.de eingestellt.

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© Maria-Anna Schulze Brüning