Handschrift - Schreibschrift
Handschrift - Schreibschrift

Fragen und Antworten

 

 

 

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Auf dieser Seite möchte ich Antworten auf die häufigsten Fragen zum Schrifterwerb zusammenstellen. (Seite im Aufbau)

 

 

Wie motivieren Sie Kinder, Ihre Handschrift zu verbessern?

 

Kinder, die nur mit größter Anstrengung leserlich schreiben können, leiden selbst am meisten unter diesem Handicap. Deshalb gilt als Regel Nummer 1: Verständnis für das Problem zeigen - beispielsweise auch bei einer Heftseite, die auffällig nachlässig geschrieben ist. Unter Stress und in Zeitnot bleibt nämlich bei betroffenen Kindern die Schriftkoordination auf der Strecke. Sie bemühen sich ja, wenn sie ausreichend Zeit haben. Durch Bemerkungen wie: "Da hattest du wenig Zeit!" oder "Da wolltest du einfach fertig werden!" fühlt sich das Kind verstanden.

Regel Nummer 2: Die Angst vor dem Defizit nehmen. Betroffene Kinder glauben oft, dass mit ihnen irgendetwas nicht in Ordnung sei. Man muss ihnen erklären, dass bei ihrem Schrifterwerb vielleicht nicht alles optimal gelaufen ist und dass sie ihre Schrift verändern und kontrollieren können - auch jetzt noch. Und dass sie, selbst wenn es ein motorisches Problem gäbe, die Handschrift nur durch richtiges Training korrigieren können. Zu diesem Training muss man ihnen effektive Ansatzpunkte zeigen und sie bei ihren ersten Schritten immer wieder ermutigen.

 

 

Welcher Schrifttyp ist am vorteilhaftesten?

Ist es nicht egal, welche Schrift man lernt?

 

Meine Perspektive auf die Schrift ist vom Schrifttraining her bestimmt und dabei kann es nie darum gehen, einen bestimmten Schrifttyp in Reinform zu vermitteln. Mein Augenmerk richtet sich auf die Schreibbarkeit der Einzelbuchstaben - und zwar in erster Linie der Kleinbuchstaben, denn sie bestimmen die Schrift. Welche Buchstabenformen verursachen immer wieder Probleme und welche nicht?

Erklärung zu dieser Abbildung:

  • Linksbogige Buchstaben (c,a,d,g,o,q) verursachen fast immer Probleme, wenn sie per "Rücksprung" angeschlossen werden sollen (wie in der VA). Sie müssen aus dem c entwickelt werden.
  • Das Köpfchen-e der VA entgleist bei beschleunigtem Schreiben fast immer. Das Schleifen-e ist die sicherste Schreibweise und eignet sich auch für Druckschriften.
  • Der Querstrich des f darf nicht oberhalb der Schreiblinie beginnen (wie in der VA), sonst werden Vorgänger- und Nachfolgebuchstaben desorientiert. Die Schrift "hebt ab".
  • n und m sind in beiden der gezeigten Varianten schreibbar. Werden diese Buchstaben mit einer Spitze begonnen, kann es jedoch bei manchen Kindern zu Irritationen kommen, wenn die "spitzen Buchstaben" i und u vorangehen.
  • Wird das r mit einer Spitze begonnen, ist es schwer schließbar - es gerät sehr oft zum v. Die Arkade am Beginn erleichtert die geschlossene Form, den senkrechten Deckstrich.
  • Das Schleifen-s entgleist bei den allermeisten Kindern. Es ist äußerst schwer schreibbar und zudem in manchen Kombinationen schwer erkennbar.
  • Die erste der t-Formen ist schreibbar, aber insofern "gefährlich" als der Senkrechtstrich schwer zu "bremsen" ist und viele Kinder ihn wie den Senkrechtstrich des f behandeln. Die Ähnlichkeit zum A ist ein weiterer Nachteil. Das zweite t (mit der Schlaufe) hat den Vorteil, dass es verbunden - ohne Absetzen - geschrieben werden kann. Das dritte t kann sehr gut verbunden werden und ist sehr formklar. Es hat den Nachteil, dass der t-Strich gesetzt werden muss.
  • Das z ist in der alten Form mit der Schlaufe am besten schreibbar. Das Z und insbesondere das L stellen in der VA- oder SAS-Form für nicht wenige Schüler ein Problem dar, weil der "liegende spitze Winkel" auf der Schreiblinie nicht gelingt. Mit der Schlaufe lässt sich das Problem lösen. Die Orientierung wird so leichter, denn durch die Schlaufe bleibt die Linienführung näher an der Schreiblinie.

 

 

Mit welchen Stiften sollen die Kinder schreiben?

 

Kinder lernen das Schreiben in der Regel mit einem Bleistift. Aus gutem Grund: Ein Stift darf auf dem Papier nicht zu leicht "laufen". Der Abrieb eines weichen Bleistifts auf rauem Papier bietet den nötigen Widerstand, um die Linien „in der Spur“ halten zu können. Alle Stifte mit einer Kugelspitze (Kugelschreiber, Tintenroller) rollen für Schreibanfänger zu leicht. Geübte Schreiber spüren den Effekt des „Ausgleitens“ nur noch beim Schreiben auf glattem Hochglanzpapier; ungeübte Schreiber gleiten auch auf normalem Papier stets unmerklich aus. Ihr Schriftbild ist beim Benutzen eines Tintenrollers deutlich schlechter als beim Schreiben mit einem Bleistift.

Welches Schreibgerät kommt dem Bleistift am nächsten? Es ist nach meiner Erfahrung die Schreibseite der einfachen Tintenkiller (siehe Bild unten links / nicht diejenigen mit Finelinerspitze). Sie haben eine feste, druckbeständige Spitze, erzeugen eine gleichmäßige Linienbreite und leichten Widerstand auf dem Papier ohne zu „kratzen“. Beim Schrifttraining erweisen sich Tintenkiller für viele Kinder als ideale Schreibgeräte.

Ansonsten empfiehlt es sich, Kinder das Schreibverhalten verschiedener Stifte bewusst ausprobieren zu lassen, auch verschiedene Füllerfedern. Durch Testen finden sie ihren "Lieblingsstift", bei dem sie das beste Schreibgefühl haben. Wichtig ist, dass Kinder sich darüber überhaupt Gedanken machen und nicht mit "irgendeinem greifbaren Schreibgerät" schreiben.

Verkrampfte Stifthaltung erschweren das Schreiben.

Wie kann die Stifthaltung verändert werden?

 

Im Alter der Fünftklässler ist das Verändern der Stifthaltung nach meiner Erfahrung kaum noch möglich, jedenfalls nicht im Rahmen eines wöchentlichen Schrifttrainings. Aber auch Grundschulkollegen berichten, dass sie die richtige Stifthaltung immer wieder zeigen, die Kinder aber häufig in frühkindliche Muster zurückfallen. Es scheint so, als ob die Lenkungsfunktion innerhalb der Hand früh festgelegt wird.

Auffallend bei viele Stifthaltungen sind:

> durchgebogene Finger

> zwei bis drei Finger auf dem Stift

> der Daumen übergreifend

> zu tiefes Anfassen des Stiftes, inklusive Sichtversperrung

Für den Schreibprozess sehr erschwerend wirkt sich dadurch aus:

 

1. Die Schrift wird nicht aus den Fingergelenken geführt, sondern durch Bewegung der ganzen Hand. Ermüdung und Verkrampfung sind vorprogrammiert.

 

2. Das unwillkürliche Mitbewegen des Daumengelenks beim Schreiben wirkt sich negativ auf die Schrift aus, wenn das Daumengelenk den Stift berührt. Die Schrift "verwackelt".

 

Das Fernhalten des Daumengelenks vom Stift ist die einzige Verbesserung der Stifthaltung, die ich manchen Fünftklässlern im Rahmen meiner Möglichkeiten vermitteln kann.

 

Besonders problematisch sehr ich die Sichtversperrung durch viele Stifthaltungen. Die Kinder sitzen tief gebeugt mit schief gehaltenem Kopf über dem Papier. Manche klagen über Nacken- und Rückenschmerzen. Andere werden die Folgen erst spüren, wenn nachhaltige Haltungsschäden aufgetreten sind.

 

Kann man es nicht den Schulen selbst überlassen, ob sie die Schreibschrift einführen möchten?

 

..Da ich in der siebten Klasse bin und in meinem 14. Lebensjahr weiß ich, dass manche die Druckschrift bevorzugen, manche die Schreibschrift. Im Gymnasium ist es jetzt so, dass jeder seine eigene Schrift hat und selbst entscheiden darf, welche Schrift er/ sie benutzt. Dass jetzt jeder seine eigene Schrift hat, bedeutet aber nicht, dass auch jeder jeden lesen kann. Sogar bei Lehrer/innen ist es manchmal der Fall, dass die ganze Klasse überhaupt nichts lesen kann…….. Wenn Schüler jetzt nur Druckschrift lernen, dann sollten auch die Lehrer/innen damit einverstanden sein, nur diese Schrift zu benutzen.“ (Leserbrief in der WamS vom 22.02.15 von Surrayya Mir, Frankfurt a.M. , zu „Schreiben lernen oder schreiben lernen“ von Susanne Gaschke, 15.02.15)

Diesem Leserbrief kann ich nur hinzufügen, dass ich selbst - mit Rücksicht auf die Druckschriftschreiber - in fast allen Lerngruppen an der Tafel nur Druckschrift schreibe. Eine Schrift funktioniert als Kommunikationsmedium nur, wenn dieses Medium von allen beherrscht wird. Und das ist bei der Schreibschrift inzwischen nicht mehr der Fall, weil die Schreibschrift an vielen Grundschulen nicht mehr hinreichend vermittelt wird. Will man die Schreibschrift erhalten, muss sie für alle verbindliches Lernziel sein.

 

Warum sind so viele Jungen von Schriftproblemen betroffen?

 

Meine Schriftauswertungen bestätigen das, was fast jeder aus seinem Erfahrungsumfeld weiß: Es sind fast nur Jungen, die von Schriftproblemen betroffen sind (87% der Betroffenen sind nach meinen Erhebungen Jungen). Konkrete Untersuchungen, die sich mit geschlechtsspezifischen schreibmotorischen Voraussetzungen befassen, gibt es meines Wissens nicht.

Ich kann deshalb nur das anmerken, was ich beim Schrifttraining und auch im Kunstunterricht beobachte.

Viele Jungen neigen zu impulsiveren Bewegungen und raschem Arbeiten als Mädchen und laufen so Gefahr, schneller einmal „übers Ziel hinauszuschießen“. (In der VA wird so ein fataler Effekt erzeugt, vgl. Seite "Defizite der VA".)

Mädchen sind in allem, was sie tun, tendenziell „vorsichtiger“ und angepasster. Vorteilhaft für den Schrifterwerb wirkt sich bei den Mädchen zudem aus, dass runde, geschwungene Bewegungen und Formen ihrem ästhetischen Empfinden in besonderer Weise entsprechen. Jungen bevorzugen in der bildnerischen Gestaltung und auch in der Schriftgestaltung oft geometrische Formen und haben zu „Mäanderbewegungen“ einen weniger intuitiven Zugang als Mädchen. Sie „entdecken“ fließende, einheitliche Bewegungszusammenhänge nicht so automatisch wie Mädchen.

Manche Jungen haben so beim Schreiben oft zu geringe Erfolgserlebnisse und entwickeln keine positive Einstellung zum Handschreiben. Haben sie aber einmal den Zugang gefunden, arbeiten sie genauso motiviert und erfolgreich an einer ausdrucksstarken Handschrift wie die Mädchen.

 

Zeugen „Krakelschriften“ denn nicht von motorischen Defiziten?

 

Längst nicht so häufig wie gedacht! Es gibt z.B. Jungen, die auf einem Waveboard zur Schule kommen und die größten Kunststücke beherrschen, nicht aber ihre Handschrift. Es gibt Jungen, die gut zeichnen können, aber keine formidentischen Buchstaben zu Papier bringen. Und dann gibt es wiederum nicht wenige Mädchen, die auf dem Sportplatz Koordinationsprobleme beispielsweise beim Werfen, Springen oder Laufen zeigen und die dennoch eine perfekte Handschrift haben.

Wenn ein Kind Auffälligkeiten zeigt, dann heißt das noch lange nicht, dass die Motorik generell defizitär ist, sondern zunächst einmal, dass sie in bestimmten Bereichen unentwickelt oder unterentwickelt ist. Und die Handschrift ist ein solcher Teilbereich. Fehlende Übung, aber auch falsche Übung und Automatisierung falscher Bewegungsrichtungen haben nach meiner Erfahrung einen wesentlich höheren Anteil an Schriftdefiziten als fehlende motorische Voraussetzungen.

 

Ist das „Nachspuren“ hilfreich?

 

Als Erklärung für Eltern vorweg: Unter „Nachspuren“ versteht man das Nachschreiben eines Buchstabens auf einer vorgegebenen Spur. Das Nachspuren kann nach meiner Erfahrung die Aneignung der Buchstabenform unterstützen. Es ist aber auf keinen Fall eine hinreichende Methode des Schrifterwerbs.

Wichtig ist, dass das Kind die neue Bewegung „verstanden“ hat und aus seinem Bewegungsrepertoire herleiten kann. Um eine Bewegung zu verstehen, muss sie mit der eigenen Erfahrung, mit Gesehenem oder Erlebtem, verknüpft werden. Deshalb ist das Vormachen, das Beobachten und das Nachmachen zunächst wichtiger als das Verfolgen einer vorgegebenen Spur. Unterstützt werden kann diese Zugangsweise durch die Vergegenwärtigung ähnlicher Bewegungen.

 

Als Beispiel sei hier das s genannt:

Druckschriftform S s: Kinder können sich eine Schleuderbewegung bei Glatteis vorstellen. Erst wenn sie diese S-Bewegung auf einem leeren Blatt (in der Luft oder an der Tafel) so zügig und sicher ausführen können, dass sie sie mit geschlossenen Augen reproduzieren könnten, sind sie in der Lage, diese „neue“ Form in einer vorgegebenen Größe zu reproduzieren.

Schreibschriftform : Wie können sich Kinder die schwierige „Spitze“ (schräge Linie aufwärts, Kehrtwende > s-ähnlich Kurve abwärts) vorstellen? Die Erklärung eines Schülers, ein Schlittschuhläufer z.B. könne diese Art der Bewegung/ Kehrtwendung ausführen, erweist sich z.B. hilfreich für die Vergegenwärtigung des Bewegungsablaufs.

Die Bewegung muss zuerst im Prinzip verstanden und frei geübt werden. Erst dann kann das Kind üben, die Form noch exakter und in vorgegebener Größe auszuführen. Dabei kann ein Nachspuren helfen. Wird dieser zweite Schritt jedoch vor dem ersten getan, versucht das Kind im wahrsten Sinne „krampfhaft“, in der Spur zu bleiben.

Aktuelles

"In Finnland werden Lehrer von der Pflicht entbunden, den Schülern die Schreibschrift beizubringen. In Deutschland ist das längst Realität."

Untertitel in der WELT vom 15.01.15

Aktuelle Erhebung zum Verschwinden der Schreibschrift

Vertreter der Grundschrift propagieren das sogenannte selbsttätige und eigenverant-wortliche Erarbeiten der Handschrift:

"Die Gegner der Grundschrift haben massive Zweifel an dieser Theorie. Sie beurteilen die Fähigkeit oder auch nur das Interesse der Sieben-jährigen, irgendwelche Einzelbuch-staben eigenverantwortlich zu flüssiger Schrift zu verbinden, mit Skepsis: Übt man denn, wenn man nicht muss? Wie genau hat man sich die "Schreibgespräche" und die "ästhetischen Experimente" der Zweitklässler vorzustellen? Überfordert man nicht die Schüler unter dem attraktiven Etikett der "Eigenständigkeit" – jedenfalls all die Kinder, deren Eltern nicht zu Hause mit ihnen arbeiten?" Susanne Gaschke in der WamS vom 15.02.15

Hier ein Einblick in die konkreten Probleme , die von Zweitklässlern zu bewältigen sind:

Die Grundschrift -

Formen und Verbindungsmöglichkeiten

„Kein Handlungsbedarf“

Trotz zunehmender Eltern- und Lehrerklagen über krakelige Handschriften vieler Schüler sieht Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann keinen Handlungsbedarf. Die Landesregierung plane nicht, solche Kompetenzen am Ende der 4. Klasse zu überprüfen, berichtet der Westfälische Anzeiger vom 30.03.16

Viele interessante Beiträge zur aktuellen Debatte um die Schrift-didaktik finden sich auf der Homepage der Allianz für die Handschrift.

Am 03.04.17 erschien eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen in Buchform im

Piper-Verlag:

Wer nicht schreibt,

bleibt dumm.

Warum unsere Kinder

ohne Handschrift das

Denken verlernen.

Eine Inhaltsbeschreibung und einen Blick ins Buch finden Sie auf der Website des Verlags.

Hier der Link >

Eine ganzseitige, handschriftlich verfasste Rezension des Buchs erschien am 02.06.17 in der  FAZ 

Von der Hand in den Kopf

" Die Kombination aus Praxis, Forschung und Reflexion gibt dieser Bestandsaufnahme ein besonderes Gewicht in einem umstrittenen Feld, das weniger durch Empirie als durch Wunschdenken bestimmt wird."  Der Autor Wolfgang Krischke bezeichnet das Buch als engagiertes Plädoyer für eine "didaktische Sanierung" der Handschrift und empfiehlt es als "lohnende Lektüre für Eltern, Lehrer und Bildungspolitiker". 

 

Eine weitere umfangreiche Rezension findet sich im Rezensionsforum Literaturkritik.de.

Der Autor Johannes Groschupf hat sie in leicht  gekürzter Form auch als Kommentar zum Buch bei Amazon.de eingestellt.

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© Maria-Anna Schulze Brüning